Lis Butz & Christiane Nick - Portrait

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Vergolderinnen
 

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Podcast Folge001 "das Vergolderhandwerk"

 

Interview 
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Könntet ihr euch bitte kurz vorstellen?
Lis: Geboren bin ich ganz im Westen, nämlich in Aachen. Dort hatte ich nach der 10.Klasse Gymnasium genug von Schule und habe die Lehre als Vergolderin angefangen. Nach 3 Jahren wollte ich dann doch wieder mehr theoretischen Lernstoff und habe die FOS für Gestaltung besucht. Hiernach folgten diverse Arbeitsstellen: Bilderrestaurierung in einer privaten Firma, Mitarbeit in der elterlichen Lampenschirmmanufaktur, Arbeit im Einrahmungsladen einer Glaserei, Großküche Klinikum statt Arbeitslosigkeit, 2 Tage in einer Essener Leistenfabrik (zuviel Stechuhr), Vergolderwerkstatt in Köln, Maler- und Restaurierungswerkstatt in Aachen. Danach wollte ich eigentlich nach München zur Meisterschule und auch dort arbeiten, bin dann aber in einer Düsseldorfer Vergolder-und Rahmenwerkstatt gelandet. Nach 5 Jahren dort und zwischendurch die Meisterprüfung in Köln, war es Zeit zur Selbstständigkeit. ORO FINO habe ich 1996 zusammen mit Petra Arres gegründet, die 2003 nach München ausgewandert ist, seitdem ist Christiane Mitinhaberin unserer Vergolderwerkstatt. Seit 1999 bilden wir regelmäßig aus.
Christiane: Ich bin im schönen Pempelfort geboren und groß geworden (na ja, 168cm müssen wohl reichen…).
Nach dem Abi wollte ich etwas künstlerisches oder handwerkliches tun und bin in ein Praktikum gestolpert, das mir als Vergolderin beides ermöglicht hat. Als dann auch noch eine Lehrstelle frei wurde, habe ich in diesem Betrieb meine Ausbildung gemacht und auch einige Gesellenjahre verbracht. Mich hat es dann tatsächlich nach München verschlagen und ich habe die Zeit dort genossen. Man bereitet sich ein Jahr lang theoretisch und praktisch auf die Meisterprüfung vor, zusammen mit einer bunten Gruppe aus allen Bundesländern und Fachrichtungen.
(In Bayern gibt es den Beruf des Kirchenmalers und des Fassmalers. Hier werden Kirchenräume gestaltet , mit Farbe, Malerei oder auch Gold und Figuren bekommen ihr farbiges oder goldenes Gewand.) Besonders spannend ist es wenn man dann im nahen Ausland (Bayern) die Kollegen aus der eigenen Region wieder trifft und näher kennenlernt…
Nach bestandener Prüfung hab ich einige Zeit in einer großen Restaurierungsfirma gearbeitet. Hauptsächlich in einer Kirche in Paderborn, bis mich dann das Heimweh wieder nach Düsseldorf gelockt hat. Um zu Oro Fino zu kommen musste ich erstmal in Köln einen neuen Job anfangen um dort den Tipp zu bekommen, mal in der Nachbarschaft anzuklopfen… Da hat dann Alles gepasst!


Was macht ein Vergolder?
Arbeiten mit Holz d.h. Sägen und Verleimen von meist fertig gefrästen Profilen. Verzieren von Rahmen mit Hilfe von Negativformen in die eine knetbare, später harte Verzierungsmasse gedrückt wird. Andere Techniken um Ornamente aufzubringen sind Gravieren, Punzieren, Radieren, Wuggeln… Vergolden von Rahmen mit Blattmetallen verschiedenster Qualitäten und Legierungen. Farbiges Gestalten oder Marmorieren. Restaurieren von beschädigten alten Stücken oder Herstellen von Repliken. Die Techniken des Vergolders werden aber auch an Skulpturen, Objekten, Möbeln, Wänden und Decken angewandt. Außerdem setzen wir auch Spiegelglas in Rahmen und fertigen komplette Einrahmungen mit hochwertigem Bilderglas und Passepartouts.


Wie wird man Vergolder? 
3 Jahre handwerkliche Ausbildung in einer meist kleinen Werkstatt, früher mit Berufsschule in Düsseldorf, mittlerweile Blockunterricht in München für alle Vergolderlehrlinge aus ganz Deutschland, danach evtl. Gesellenzeit und evtl. Meisterprüfung. Dazu lernen kann man, wie in den meisten Handwerken, obwohl wir sehr traditionell arbeiten, aber lebenslang.


Welche Gegenstände lassen sich vergolden und wo sind die Grenzen?
Prinzipiell lässt sich so einiges vergolden: unser kleinstes Objekt bisher war eine Erbse. Wir können einen Kirchturmhahn oder Turmuhrziffern bzw. Fassadenbeschriftungen vergolden, und es gibt Schiffe die mit, von uns vergoldeter Einrichtung, auf den Weltmeeren kreuzen. Für Yoko Ono haben wir mal eine Leiter vergoldet. Oder wir sammeln Steine am Rheinufer die wir zu Rheingold verwandeln. Selbst die menschliche Haut lässt sich für einen kurzen Zeitraum mit Blattgold verschönern.
Natürlich gibt´s auch essbares Gold für kostbare Desserts, Kuchen, Pralinen oder die berühmte Düsseldorfer Currywurst.
Nur Gegenstände, die viel Abrieb aushalten müssen wie Essgeschirr oder Schmuck muss mit anderen Techniken wie z.B. Galvanik oder Feuervergoldung bearbeitet werden.


Gibt es neben Gold noch andere Metalle die sich zum Veredeln von Oberflächen eignen?
Neben reinem Blattgold, Platin oder Silber, und den vielen Legierungen, die der Goldschläger (der das Gold herstellt) in unterschiedlichen Farbtönen daraus herstellt, gibt es noch sogenannte Schlagmetalle wie Messing, Kupfer oder Aluminium.


Welche Arbeitsschritte gibt es beim Vergolden?
Bearbeiten des rohen Holzes, Grundieren mit Kreidegrund (in mehreren Schichten), Auftrag des Polimentes, Vergolden, polieren mit Achaten, durchreiben der Goldfläche, lackieren, evtl. lasieren oder patinieren, sowie die Kombination mit farbigen Flächen und Verzierungen etc.


Jedes Handwerk hat seine speziellen Werkzeuge, welche benutzt ein Vergolder?
Die einzigartigen Werkzeuge des Vergolders sind ein Lederbrettchen mit einem speziellen Messer zum Goldschneiden, ein spezieller flacher Fehhaarpinsel (vom Schweif eines Eichhörnchens) zum Transport des Goldblättchens auf das Werkstück, Achate (Halbedelsteine in einem Holzgriff) zum Gold polieren.


Habt ihr einen Rat für Berufsanfänger, die sich für das Vergolderhandwerk interessieren?
Wichtig wäre auf jeden Fall ein bisschen Wanderlust, weil man nach der Ausbildung oft nur in einer anderen Stadt oder Region oder vielleicht sogar im Ausland eine Stelle findet, da es bei uns nicht mehr so viele Vergolder gibt. Ein wenig handwerkliches Geschick und eine freundliche zupackende Art helfen bestimmt.


Habt ihr, Hobbys?
Lis: Eher wenig: Fahrrad fahren, mal einen schönen Film im Kino oder als DVD gucken oder etwas leckeres und kompliziertes kochen, dazu ein schönes Glas Wein oder zwei.
Christiane: Meine drei Töchter. Immer wieder ein Abenteuer!
Ich lese gerne Kochrezepte, die Folgen müssen dann andere ausbaden.


Habt ihr Pläne für die Zukunft?
Lis: Beim Alltagsgeschäft die Kreativität nicht aus dem Auge verlieren.
Christiane: Sehe ich genauso: Frisch und offen bleiben!


Gibt es etwas was ihr an Düsseldorf schätzt?
Lis: Die schöne Lage am Rhein, da fühlt man sich fast wie am Meer. Viele tolle Lokale und Kulturangebote.
Christiane: Ich liebe es mit dem Fahrrad unterwegs zur Arbeit zu sein. Man kennt sich im Viertel, kauft morgens noch schnell auf dem Wochenmarkt ein und grüßt sich gegenseitig. Wenn dann noch Zeit übrig ist, ist das nächste Museum nicht weit, oder der Biergarten am Rhein. Irgendwas ist immer los und die kleinen und großen „Stars“ kommen auch mal auf unseren Bühnen vorbei…
Wenn man ein bisschen sucht, findet man mehr Kunst als Kommerz!


Beschreibt eure Arbeit in 3 Worten?
Lis: Bilder, ideal, einkleiden
Christiane: Besser kann man’s nicht sagen! Handwerk mit Herzblut!


Nennt uns etwas ohne das ihr nicht Leben könntest?
Lis: Musik
Christiane: Meine Lieben, Musik und Genuss.


Habt ihr einen Lieblingsplatz in Düsseldorf?
Lis: Da fallen mir einige Orte ein, das Rheinufer hinter Kaiserswerth und der Deich, die Terrasse vorm Ürige, der Volksgarten, aber kein richtiger Lieblingsplatz.
Christiane: Ein lauschiger Biergarten mit schattigen Kastanienbäumen, ein stilles Fleckchen am gemütlichen Rhein mit Plastikstühlen und Selbstbedienung, den Hofgarten als er noch keine Baustelle war, ein Uerige im Stehen in der Altstadt, der Ausblick von der Theodor Heuss Brücke, spazieren gehen am Rhein, je nach Stimmung…


Euer Hauptcharakterzug?
Lis: Vielleicht Gelassenheit? Schwierige Frage.
Christiane: Freundlichkeit


Euer größter Fehler? 
Lis: Reagiere sehr empfindlich auf Ungerechtigkeit, aber ob das ein Fehler ist..?
Christiane: Perfektionismus


Was wäre für euch das größte Unglück?
Lis: Schlimme Krankheiten auch bei anderen mir nahe stehenden Menschen.
Christiane: Hoffnungslosigkeit!


Habt ihr ein Vorbild?
Lis: In meinem nächsten Leben möchte ich ein kleines, geflecktes,grunzendes Schweinchen auf einer Wiese sein, die sehen nämlich wirklich gelassen aus.
Christiane: Meine Schwiegeroma! So eine Frau gibt’s nicht noch mal! Aber ich werde mich bemühen!


Wie geht es euch heute?
Lis: Gerade frisch aus dem Urlaub, ziemlich erholt und freue mich auf unsere nächste Ausstellung im September mit Fotos von Emil Zander.
Christiane: Munter dem Starnberger See entsprungen!
Ich freue mich auch auf Emils Bilder und das Perlfisch-Wochenende.
Dann ist hier richtig was los im Viertel! Und wir haben Zeit mit unseren Gästen zu feiern.


Euer Abschlusskommentar? 
Schön, dass es in Düsseldorf so viele bunte Köpfe gibt und auch viel nettere als der Kölner immer behauptet.
Mir hat’s Spaß gemacht neue bunte Köpfe kennenzulernen und selbst ein bisschen bunt zu werden…



Lis Butz , Christiane Nick - oro fino - Gneisenaustraße 15 - 40477 Düsseldorf  - 
Telefon:(0211) 49 10 983 - E-Mail: mail @ oro-fino.de  |  www.oro-fino.de



Interview & Fotografie: Tobias Herx, Christian Laskawi, Julia Mischner

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